Ethos
und Geschichte
Im
alten Japan begleitete das Schlagen einer Trommel, das heißt
eines ‘Taiko' , die Hinwendung zu Gott im Gebet.
Diese Zere- monie hat bis heute überlebt und wird ‘Mikotonori'
genannt. In ihr überbrückt der Trommelklang
die Kluft zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen.
Das Dröhnen des Taiko ist absolut rein; es befreit
die Sinne der Betenden wie auch ihr Umfeld von Unreinheit. Mikotonori
ist ein Gebet, das die Hoff-nung und Dankbarkeit der Betenden
unmittelbar zu Gott empor trägt. Solche Augenblicke der
Transzendenz sind in Japan bekannt als ‘kanno doko',
als Augenblicke, in denen sich die spirituelle und die
physische Natur miteinander im Austausch befinden, wobei beide
von Göttlichem Licht umgeben sind. In einem solchen Augenblick
entstand das Shumei Taiko-Ensemble.
Das
Ensemble wurde auf Anregung von Sokichi Koyama , dem
dynamischen zweiten Präsidenten der Shumei Organisation,
geschaffen, als er von einem „Fest der 100 Trommeln“ sprach,
um den Geburtstag des Gründers von Shumei, Mokichi
Okada , zu begehen. Das Ereignis wurde am 23. Dezember
1982 in Shumeis Internationalem Hauptquartier in Misono in der
Präfektur Shiga begangen. An jenem Wintertag wurde die
Stille der Shigarakiberge einzig durchbrochen vom scharfen Widerhall
der einhundert Trommeln.
Ein
Jahr später spielten junge Trommler während der Feier-
lichkeiten zur Fertigstellung der Meishusam-Halle , wiederum
in Misono. Die Darbietung bewegte Präsident Koyama
so sehr, dass er es ermöglichte, dass einige wenige
von Shumeis Tromm- lern, darunter auch Koji Nakamura ,
der erste künstlerische Leiter der Gruppe, in Ondekoza
unterkamen, der berühmtesten Taikogruppe Japans.
Während der nächsten zwei Jahre wurde das Können
der ersten Trommler Shumeis erheblich verfeinert.
Präsident
Koyama sah sehr wohl ein, dass die Taikomusik nicht
nur die Grenzen zwischen dem Menschlichen und dem Gött-
lichen zu überwinden vermochte, sondern auch die zwischen
Rassen und Kulturen. Er glaubte fest daran, dass das Trommeln
den Weltfrieden und das universelle Wohlergehen befördern
könne. Und es ist diese große Vision von Eintracht
und Har- monie, die das Shumei Taiko-Ensemble bis heute
verkörpert.
Bei
Sokichi Koyamas plötzlichem Tod im Jahre 1984
verließ Koji Nakamura die Truppe Ondekoza
und kehrte mit zwei anderen Trommlern nach Misono zurück.
Die Anfänge des Shumei Ensembles waren also recht bescheiden
mit gerade einmal drei Trommlern und drei kleinen Trommeln.
Mit großem Stehvermögen und in vielen kleinen Schritten
wuchs das Ensemble jedoch zu dem heran, was es heute ist.
Vor
dem Hintergrund des stilistischen Einflusses von Ondekoza
kämpfte das Ensemble um die Eroberung neuer musikalischer
Territorien. Zu guter Letzt fand es zu seinem ganz eigenen Klang
unter der musikalischen Leitung von Meisho Tosha ,
dem überragenden Meister auf der japanischen Bambusflöte,
gleichzeitig Musikdirektor und Komponist des Shumei Ensembles.
Neue Musik entstand, ein spezifischer Aufführungsstil entwickelte
sich und die für das Ensemble charakteristische Gewichtung
von Trommeln und Flöten wurde perfektioniert. Unter Meister
Toshas Leitung erwachte die Gruppe zu dem ihr eigentümlichen
Leben.
Seit
seiner Gründung nimmt das Shumei Taiko-Ensemble eine
bedeutende Stellung in der Welt der darstellenden Künste
ein. Das Ensemble wird nicht nur wegen seiner meisterhaften
Beherrschung traditioneller Techniken umjubelt, man lobt es
auch dafür, eine reine, starke und dynamische Musikform
entwickelt zu haben, die zugleich modern und ursprünglich
ist.
Heute
gelingt es dem Shumei Taiko-Ensemble immer wieder,
Menschen aller Glaubensrichtungen, Nationen und Sprachen mittels
einer großartigen Vision von Liebe und Harmonie zu vereinen.
Das Ensemble begann seine Laufbahn in einem Moment des ‘kanno
doko' , in dem der Klang der Trommeln die Gebete der Menschen
zum Himmel geleitete. Seine Musik kann daher verstanden werden
als eine Art von Gebet, als ein Gebet für den Weltfrieden
und die Freundschaft aller Menschen dieser Erde untereinander.
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