„Es war einmal in einer Zeit, die länger zurückliegt
als das menschliche Gedächtnis, als der Gott des Sturmes
Susanowo-no-Mikoto seine Heimat auf den Meeren verließ
und begann, das Land zu verwüsten. Sein wildes Toben
verärgerte seine Schwester Ameterasu Ohmikami, die Sonnengöttin,
derart, dass sie in eine Höhle flüchtete und einen
Felsblock über den Eingang rollte und beschwor, sich
nie wieder sehen zu lassen.
Die Welt verfiel in Dunkelheit und Teufel entsprangen ihren
Verstecken, um frei über die Erde in ihrer unendlichen
Dunkelheit zu wandern. Mit dem Bewusstsein, dass alles Leben
ohne Ameterasu verdammt war, versammelten sich die Götter
des Himmels und der Erde am Eingang der Höhle. Sie überredeten.
Sie bitteten. Sie drohten. Schließlich versuchten Sie
noch, den Felsen vom Eingang der Höhle zu entfernen,
aber Ameterasu Ohmikami's Licht würde sich nicht von
ihrem Refugium rühren. Alle Schöpfung schien verdammt.
Bis Ame-no-Uzume-no-Mikoto, eine kleine Göttin mit einem
vom Alter und Lachen zerknitterten Gesicht, ihren Weg in die
Mitte der anderen Götter fand und erklärte, sie
würde Ameterasu von der Höhle rausholen. Die mächtigen
Götter schauten auf die alte Frau und grinsten spöttisch.
Ameno-Uzume-no-Mikoto lächelte zurück, goss ein
großes Sake-Fass aus, sprang auf den Deckel und begann
einen wilden Tanz. Das laute, feste, frenetische Stampfen
ihrer Füße machte eine noch nie dagewesene Musik.
Der Rhythmus war so lebendig, so ansteckend, dass bald auch
die anderen Götter, von Ame-no-Uzume-no-Mikoto’s
Festlichkeit angesteckt, zu tanzen und zu singen begannen.
Musik erfüllte die Erde und die Feier wurde so rau, dass
Ameterasu Ohmikami aus ihrer Höhle herausguckte. Nachdem
sie all die freuderfüllten Gesichter sah, brachte sie
ihr Licht wieder zur Erde zurück. So kam Ameterasu Ohmikami'’
Licht wieder zur Erde zurück, Susanowo-no-Mikoto wurde
verbannt und die Taiko Musik war geboren.“
So lautet eine Variante einer alten Geschichte von Nihon Shoki,
einer japanischen Chronik vom 7. und 8. Jahrhundert n. Chr.
Die Geschichte ist ein reiner Mythos. Wahr dabei ist, dass
Taiko die Kraft hat, Freude zu bringen und Ärger zu vertreiben.
Und in Übereinstimmung mit Shumei’s Kunst-Philosophie,
vermag es Licht in die Welt zu bringen. Die historischen Ursprünge
von Taiko sind jedoch weniger einfach und nicht so klar wie
der Mythos.
Aufgrund des Klangs der Trommeln, der so fundamental wie unser
Herzschlag ist, behaupten manche, dass es generell die ersten
Musikinstrumente waren, die von Kulturen rund um den Globus
verwendet wurden. Wenn dem so war, könnten die Vorläufer
der Taiko Trommeln 2000 oder 3000 Jahre in Japans Vorgeschichte
zurückreichen. Wie die meisten Trommel-Traditionen mit
Ursprung in primitiven Kulturen, hat Taiko fast alle Aspekte
des Lebens von der Geburt bis zum Tod gefeiert. Taiko Trommeln
weckten die Truppen und schüchtern den Feind auf dem
Schlachtfeld ein, man zog mit ihnen durch die Straßen,
um die Menschen zu freudigen Festivals zusammenzurufen, sie
wurden an Zeremonien bei der Reissaat gespielt, wobei deren
donnernde Töne Insekten verjagen und die Regengeister
wecken sollten. In manchen Buddhistischen Traditionen repräsentierte
deren polternder Klang die Stimme Buddhas und in Shinto Schreinen
begleiteten sie Gebete zum Himmel. Der Taiko-Klang konnte
nicht nur Grenzen zwischen Menschlichem und Göttlichem
überschreiten, sondern auch beständige Grenzen hier
auf der Erde festigen; im alten Japan bestimmte die akustische
Reichweite der Taiko-Trommel vom örtlichen Tempel die
Grenzen einer Stadt. Offensichtlich kam es einer Stadt zugute,
eine große Trommel zu haben.
Andere behaupten, dass Taiko’s Ausrichtung in Indien
begann und den Weg des Buddhismus folgend kurz vor 600 n.
Chr. über China und Korea nach Japan kam. In alten buddhistischen
Sutras und Wandmalereien kann man Trommeln sehen, die den
Taiko-Instrumenten ähneln und mittelalterliche Malereien
zeigen Taiko-ähnliche Trommeln, die den Kopf des Donnergottes
umkreisen. Das älteste Portrait des vermeintlichen Vorfahrens
der modernen Taiko-Trommel wurde in einer Tonstatuette aus
dem 6. oder 7. Jahrhundert entdeckt, die in Gunma Präfektur
ausgegraben wurde. Es ist die Figur eines Musikers mit einer
Trommel, die auf Hüfthöhe von seiner Schulter hängt.
Das Instrument ähnelt dem derzeit im ländlichen
China verwendeten und die Musiker schlagen die Trommel sowohl
mit einem Stock, als auch deren Handfläche, so wie es
Koreanische Trommler in dieser Zeit taten.
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Eine
Theorie derer, die meinen, die Ursprünge von Taiko
seinen importiert worden, hält fest, dass Taiko
aus der Einführung des Gigaku Theaters vom südlichen
Königreich Wu in China während der Asuka Periode
(ca. 600 - 710 v. Chr.) entspringt. Gigaku ist eine
Tanzform, die sich einer kleinen Anzahl von Tiercharakteren
bedient, so zB eines Vogels, Löwen und dem Herren
von Wu. Diese Theaterform wird begleitet von Instrumenten,
unter anderem Trommeln. Der Zusammenhang von Trommeln
und Theater ist offensichtlich in der späten Entwicklung
von japanischen Noh und Kabuki-Stücken, wo Taiko
Trommeln wegen ihre Fähigkeit, durch Nachahmen
von Tierstimmen, Wind, Meer und Sturm einen szenischen
Hintergrund hervorzurufen, immer noch einen wichtigen
Platz im Orchester einnehmen.
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Das Donnern von Taiko wurde nicht nur dazu verwendet, Buddhas
Stimme in Tempeln darzustellen oder den Wind und das Meer
in Theaterstücken nachzuahmen. Sein Grollen wurde auch
verwendet, um Feinde einzuschüchtern und Truppen auf
Japans frühesten Schlachtfeldern zu sammeln. Was von
den militärischen Affinitäten überblieb, ist
eine intensive Zusammenstellung körperlichen Trainings,
Disziplin und strengem Gemeinschaftsgeist, der von den Mitgliedern
des Shumei Taiko Ensembles praktiziert wird. Während
die kriegerischen Neigungen mit der Mission des Ensembles,
Frieden zu stiften, nicht einherzugehen scheint, löst
ein genauerer Blick auf Shumei’s Philosophie den Widerspruch
auf. So wie die Kunst die Kraft hat, die Herzen zu klären
und zu verfeinern, wie Shumei Mitglieder glauben, so hat sie
auch sicher die Kraft, den tierischen Lärm, den man in
der Schlacht hört, in erhabene spirituelle Musik umzuwandeln.
Während
des zehnten Jahrhunderts nahm der Koreanische und Chinesische
Einfluss auf Japan langsam ab und viele der eingeführten
künstlerischen Formen entwickelten sich zu etwas
spezifisch Japanischem. Mit Ende der Heian Periode (ca.
1185 n. Chr.) hat sich ein Trommelstil entwickelt, der
als Taiko zu erkennen war.
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Entweder
stammt Taiko von einheimischen Japanischen Traditionen oder
es wurde von höherentwickelten Kulturen, die nicht genau
bestimmt werden können, in die frühe Japanische
Kultur aufgenommen. Wahrscheinlich entsprang die Kunstrichtung
einer steten Synthese von verschiedenen Einflüssen, sowohl
importierten, als auch einheimischen. Sicher ist, dass der
Geist von Taiko mit seinen präzise artikulierten Rhythmen
und Bewegungen tief in der Japanischen Kultur verwurzelt ist
und dass seine Kraft, die Emotionen aufzuwühlen und die
Seele zu berühren, nationale Grenzen und Kulturen zu
überschreiten vermag.
Innerhalb der letzten hundert Jahre hat Taiko eine internationale
Zuhörerschaft gewonnen und ist so wie der Amerikanische
Jazz oder Europäische Klassische Musik dabei, eine wahrhaft
internationale Musikform zu werden. Somit wird die Parallele
zwischen Taiko Musik und Shumei offensichtlich. Mit Taiko
greift Shumei tief auf deren Japanische Wurzeln zurück,
während sie sich den Einflüssen anderer Kulturen
öffnen und betont als „Weltenbürger“
international in ihrer Anschauung sind.